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„Alle Fledermäuse haben Tollwut“ und 11 andere Fledermaus Mythen aufgeklärt

Über Fledermäuse kursieren allerhand Mythen. Wir machen den Faktencheck. Sind Fledermäuse wirklich so wie wir denken oder ist das alles nur ein Irrglaube?

Mythos 1: Alle Fledermäuse haben Tollwut

Fakt: Zum einen sind tollwütige Fledermäuse in unseren Gefilden sehr selten. Zum anderen ist die Wahrscheinlichkeit, im Lotto zu gewinnen höher, als sich von einer Fledermaus mit Tollwut zu infizieren. Bei den in Europa ansässigen Fledermausarten kommen nur drei verschiedene Tollwutviren vor.

Darüber hinaus besteht für den Menschen so gut wie keine Gefahr, von einem Tier aktiv angegriffen zu werden. Zu einem Biss kommt es viel mehr dann, wenn ein Mensch ein erkranktes Tier berührt, um ihm helfen zu wollen. Daher sollten Fledermäuse, wenn überhaupt, nur mit dicken Lederhandschuhen angefasst werden.

Mythos 2: Fledermäuse übertragen Krankheiten

Fakt: Neben der sogenannten Fledermaustollwut stehen Fledermäuse im Verdacht, in den Jahren 2002 und 2014 an der Übertragung von SARS und Ebola beteiligt gewesen zu sein. Die Viren, die diese beiden Krankheiten ausgelöst hatten, wurden auch innerhalb von Fledermäusen gefunden.

Bislang ist aber nicht ganz klar, ob die betroffenen menschlichen Erkrankten tatsächlich von Fledermäusen angesteckt wurden. Forscher vermuten, dass für eine Übertragung der Viren ein sehr enger Kontakt zwischen Fledermaus und Mensch notwendig sei, wie beispielsweise durch einen Biss. In dieser Hinsicht ist eine Ansteckungsgefahr durch Fledermäuse sehr niedrig. Fledermäuse beißen in der Regel nur zu, wenn sie sich bedroht fühlen.

Die Wahrscheinlichkeit, von einer Fledermaus gebissen zu werden, die mit einem Krankheitserreger infiziert ist, ist daher extrem gering. Auf einigen afrikanischen Märkten allerdings wird das Fleisch von Wildtieren, wie auch von Fledermäusen, angeboten. Hier kann es vor allem bei der Zubereitung der Tiere durch den Kontakt mit Blut zu einer Infektion kommen.

Mythos 3: Fledermäuse wollen unser Blut

Fakt: Der Mythos der blutsaugenden Vampire, die sich gierig im Sturzflug auf Menschen stürzen, um sich an ihrem Blut zu laben, haftet Fledermäusen vermutlich am hartnäckigsten an. Jedoch ernähren sich die meisten Fledermäuse von Insekten. In der Nähe des Äquators gibt es sogar eine Fledermausart, die sich nur von Blütennektar, also rein vegetarisch ernährt.

Doch es gibt sie tatsächlich, die sogenannten Vampirfledermäuse (Desmodontinae), die sich vollständig nur von Blut ernähren. Das sind allerdings von den über 1.000 Fledermausarten weltweit nur drei Stück. Diese sind alle in Südamerika ansässig und ernähren sie sich ausschließlich vom Blut von Vögeln oder anderer Säugetiere. An Menschenblut haben sie kein Interesse.

Mythos 4: Fledermäuse greifen Menschen aus dem Nichts an

Fakt: Hierbei handelt es sich vermutlich um ein Gerücht, dass von zahlreichen Gruselfilmen herrührt. Bislang gibt es zumindest keine belegten Berichterstattungen, dass Fledermäuse Menschen grundlos angegriffen haben.

Und selbst wenn sich ein Tier einmal in der eigenen Wohnung verirren sollte, so besteht kein Grund zur Panik – die kleinen Gäste sind vollkommen harmlos und verstecken sich oft hinter Vorhängen, Bildern oder Rollläden. Sollte einmal eine Fledermaus zu ihnen die Wohnung gelangt sein, so genügt es meist, abends das Fenster geöffnet zu lassen – die Tiere fliegen dann in der Regel von alleine nach draußen.

Mythos 5: Fledermäuse sind eine Plage

Fakt: Genau genommen sind Fledermäuse weit davon entfernt, eine Plage zu sein. Sie leisten sogar einen enormen Beitrag dazu, wirkliche Plagen zu kontrollieren. Die meisten Fledermäusen ernähren sich von Insekten und schädlichen Käfern, die Pflanzen und Baumbestände zerstören können.

Sie tragen damit dazu bei, dass der Einsatz von Insektenschutzmitteln reduziert wird. Außerdem ernähren sie sich auch von Stechmücken, Spinnen und Stubenfliegen. Fledermäuse sind daher überaus nützlich. Was eine Vielzahl von Vögeln tagsüber machen, wird des nachts durch Fledermäuse fortgesetzt.

Mythos 6: Fledermäuse sind unreine Nagetiere

Fakt: Fledermäuse sind sehr reinliche Tiere und pflegen sich regelmäßig selbst – und das stundenlang. Sie nutzen dazu ihre Füße, mit denen sie sich ihr Fell kämmen und ihre Ohren reinigen. Besonders intensiv werden mit dem Maul die empfindlichen Flughäute gepflegt.

Durch den Speichel werden die Flughäute geschmeidig gehalten, was sehr wichtig ist, da sie sonst durch den Flugwind porös werden könnten.

Mythos 7: Fledermäuse vermehren sich wie Mäuse

Fakt: Fledermäuse bringen pro Jahr meist nur ein Junges zur Welt. Eine Besonderheit ist allerdings die Fortpflanzung: Fledermausweibchen sind in der Lage, den männlichen Samen nach der Befruchtung in ihrem Körper zu speichern und den Zeitpunkt der Befruchtung zu steuern.

Es ist also möglich, dass eine Paarung bereits im Herbst oder Winter stattfindet, die Befruchtung aber erst im Frühling nach Beendigung des Winterschlafes.

Mythos 8: Fledermäuse sind gruselige Unheilbringer

Fakt: Tatsächlich verbindet man vor allem in den westlichen Ländern mit Fledermäusen eher Negatives. In der Kunst werden dämonische Wesen und auch der Teufel selbst oft mit Fledermausflügeln dargestellt, die Bibel zählt sie zu den unreinen Tieren und in zahlreichen Gruselfilmen, stehen sie für die gruseligen Haustierchen von Dracula und Co.

Dabei hat die Fledermaus gar nichts getan, was diesem Image gerecht werden würde. Möglicherweise war das Tier in der Antike vielen Menschen unheimlich, weil es fliegen konnte, ohne Federn zu haben. Den schlechten Ruf haben die Tierchen aber nicht überall.

In China beispielsweise steht die Fledermaus für Glück und Gewinn: Das chinesische Wort „fú“ steht sowohl für „Glück“ als auch für „Fledermaus“. Fledermäuse sind also alles andere als gruselig – die meisten Menschen haben noch nie eine Fledermaus gesehen und fürchten sich grundlos vor ihnen.

Und wer schon einmal eine Fledermaus aus der Nähe gesehen hat, wird zugeben müssen, dass sie sogar ziemlich niedlich aussehen.

Mythos 9: Zum Fliegen braucht man Federn

Fakt: Eigentlich handelt es sich hierbei um keinen Mythos, aber es ist schon erstaunlich: Die Fledermaus ist das einige Säugetier, das fliegen kann. Und das ganz ohne Federn.

Die Flügel der Tiere sind aus ihrer Hand gebildet, mit einem stark verkürzten Oberarm aber dafür extrem verlängerten Fingern. Dazwischen ist wie eine Membran die gut durchblutete Flughaut gespannt.

Beim Fliegen wenden sie einen Trick an, mit dem sie bestimmte Luftströmungen erzeugen. Dadurch erreichen sie eine besonders starke Wendigkeit.

Mythos 10: Fledermäuse geben keine Geräusche von sich

Fakt: In Wahrheit zählen Fledermäuse zu den größten Schreihalsen überhaupt – wir Menschen können sie nur nicht hören!

Die Tiere geben Töne von sich, die um Ultraschallfrequenzbereich liegen und somit für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar sind. Mithilfe ihrer Schreie orientieren sie sich in ihrer Umgebung und finden ihre Beute.

Die Schallwellen von ihnen ausgestoßenen Schallwellen werden von den umliegenden Hindernissen reflektiert, was Fledermäusen eine Art innere Landkarte verschafft. Der Vorgang nennt sich „Echolokation“ und erreicht zum Teil einen Pegel von über 140 Dezibel, was in etwa der Lautstärke eines Düsenflugzeugs entspricht.

Mythos 11: Fledermäuse können einem in die Haare fliegen

Fakt: Einige Menschen haben Angst davor, dass ihnen Fledermäuse in die Haare fliegen und sich darin verfangen könnten. Möglicherweise ist diese Angst damit verbunden, dass Fledermäuse in der Lage sind, sehr tief zu fliegen, so dass mitunter der Eindruck entstehen könnte, sie haben es auf den Menschen abgesehen.

Oftmals sind sie aber nur auf der Suche nach Insekten, die sich in Bodennähe aufhalten. Fledermäuse bauen keine Nester und haben überhaupt kein Interesse an menschlichem Haar. Darüber hinaus schützt sie ihr feines Ortungssystem vor Hindernissen.

Mythos 12: Nur Vögel fliegen in den Süden

Fakt: Ähnlich wie Zugvögel, zieht es manche Fledermausarten im Herbst in den Süden. Manche von ihnen fliegen bis zu 2.000 Kilometer weit, um in wärmeren Gefilden zu überwintern. Zu ihnen gehört zum Beispiel die Rauhautfledermaus die in den baltischen Ländern und Russland beheimatet ist.

Andere Arten wiederum bleiben zum Überwintern in unseren Gefilden. Diese nehmen bereits im Frühherbst ihre Winterquartiere ein, wie beispielsweise in Höhlen, Kellern oder alten Brunnen.

Dort verbringen sie dann bei konstanten Temperaturen den gesamten Winter. In der Regel halten Fledermäuse Winterschlaf.


Wenn Sie jetzt ein bisschen besser über Fledermäuse Bescheid wissen, können Sie sich auch einmal Fledermaushäuser ansehen. Diese Holzkästen werden wie Vogelhäuser an Bäume und Wände angebracht und bieten den Fledermäusen ein Zuhause, das genau auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist.


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